Eine erfolgreiche Vesperkirche geht nach 20 Tagen zu Ende
Am Ende war es eine der erfolgreicheren Vesperkirchen im Schussental. Nach 20 Tage schloss am 8. Februar die Vesperkirche in Ravensburg ihre Pforten. Das Spendenziel von 132.000 Euro wurde mit 142.336 übertroffen, 12.350 Essen gingen über die Theke und mit 14 Kulturveranstaltungen gab es so viele wie noch nie. Und selbst bei den Ehrenamtlichen wurden neue Maßstäbe gesetzt: 512 Menschen haben sich in unterschiedlicher Funktion für die Vesperkirche engagiert.
Am 4. Februar war der an der Besucherzahl gemessen stärkste Tag in der Vesperkirche Ravensburg. 743 Essen wurden an die Gäste gereicht. An diesem Tag stand neben weiteren Ehrenamtlichen das Team um Weingartens Oberbürgermeister Clemens Moll in der Vesperkirche und zeigte, dass sie Vesperkirche können. „Dass ausgerechnet an unserem Einsatztag mit rund 750 ausgegebenen Mahlzeiten der besucherstärkste Tag der Vesperkirche erreicht wurde, nehmen wir in Weingarten selbstverständlich mit einem Augenzwinkern“, sagte Moll am so genannten Weingarten-Tag in der Ravensburger Vesperkirche. Selbst die Weingartener Stadtfahne war vor der Kirche gehisst, die gute Stimmung übertrug sich auf die Gäste. „Die Vesperkirche ist weit mehr als ein warmes Essen – es geht um Würde, um Gespräche auf Augenhöhe und darum, füreinander da zu sein. Die vielen Begegnungen an diesem Tag haben mich sehr bewegt und dankbar gemacht – Dankbarkeit für die vielen engagierten Menschen und Dankbarkeit für die Hilfsbereitschaft und die Gemeinschaft.“ So bewertete der OB aus Weingarten seinen Einsatz und den seines Teams und ergänzte: „Wer es gut hat, sollte teilen. Und wer Unterstützung braucht, sollte sie ohne Scheu annehmen können.“ Nach 20 Tagen Vesperkirche waren 12.3500 Essen ausgegeben, rund 9.000 Tassen Kaffee ausgeschenkt und 7.000 Vespertüten gereicht.
Am Tag zuvor war die Ravensburger Stadtspitze für die Vesperkirche im Einsatz. Die gute Atmosphäre in der Kirche übertrug sich auf Oberbürgermeister Daniel Rapp und seinen Ersten Bürgermeister Andreas Honikel-Günther. Und so gaben Sie bei der Kaffee- und Getränkeausgabe alles. Entsprechend fiel das Fazit von Daniel Rapp aus und lobte das Engagement aller Beteiligten: „Die Vesperkirche hilft und bringt Menschen zusammen und sie ist schon seit vielen Jahren tief in unserer Stadtgesellschaft verwurzelt. Eine so tolle und wichtige Aktion mit so viel ehrenamtlichen Engagement. Darauf können wir stolz sein!“
512 Menschen hatten sich ehrenamtlich für die Vesperkirche Ravensburg engagiert. Die Aufgaben waren vielseitig: ob bei der Begrüßung an der Kirchentür, bei der Essens- und Getränkeausgabe hinter der Theke, im Fahrdienst oder beim Abservieren an den Tischen – täglich waren bis zu 45 Ehrenamtliche für die Gäste, die in diesem Jahr reichlich kamen, im Einsatz. Der Ehrenamtseinsatz ist das Rückgrat jeder Vesperkirche. Auch in Ravensburg. Insgesamt leisteten die Helferinnen und Helfer über 4.000 Ehrenamtsstunden. Auch krankheitsbedingte Ausfälle wurden gemeistert. „Wir hatten während der Vesperkirche eine kleine Krankheitswelle. Alle gingen damit verantwortlich um. Und dennoch standen wir mit unseren über 500 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer immer für unsere Gäste bereit“, sagt Mitorganisator Gerd Gunßer. Über allem schwebte der Geist von Großzügigkeit und Offenheit. „Immer wieder standen Menschen begeistert in der Stadtkirche und haben die gute Stimmung genannt“, berichtet Mitorganisator Ralf Brennecke. „Es waren drei Wochen Leichtigkeit, die alle erleben konnten. Es war genug für alle da und es wurde mit allen geteilt.“
Ergänzt wurde das Angebot der Vesperkirche durch ärztliche Präsenz in der Kirche sowie 80 Haarschnitte für bedürftige Gäste, die kostenfrei von Alex Pabst und Tina Amann mit Team durchgeführt wurden. „Ein nicht mehr wegzudenkendes Angebot in der Vesperkirche“, sagt Mitorganisator Harald Dubyk. Hinzu kamen 14 Kulturveranstaltungen ohne Eintrittspreis, die insgesamt 2.590 Menschen besuchten und so mit ihrer Spende die Vesperkirche finanziell unterstützten. Alle Künstlerinnen und Künstler haben dabei auf ihre Gage verzichtet. „Wir hatten noch nie so ein breit aufgestelltes Kultur-Programm: von Klassik bis Rock, mit Lesungen und Multi-Media, mit Zuhören und Tanzworkshop. So fühlt sich also Erwachsenwerden an“, sagt Ralf Brennecke, auch in Anspielung auf die 18. Vesperkirche im Schussental.
Selbst die Schirmherren Jürgen und Thomas Allaut-Schlegel setzten in diesem Jahr weiter Maßstäbe. Was der letztjährige Schirmherr Ahmet Yardimci in Weingarten eindrucksvoll begann, führten die beiden fort. An jedem Tag war mindestens ein Schirmherr in der Vesperkirche, nahm sich Zeit für Begegnung und Gespräche. „Unsere Schirmherrschaft war geprägt von wunderbaren Begegnungen in einer besonderen, familiären Atmosphäre. Die Vesperkirche an sich, aber auch die Menschen dahinter, haben uns nachhaltig beeindruckt und war somit eine Erfahrung, die wir nicht missen möchten“, berichten die beiden Schirmherren. Und: „Wir möchten uns als Schirmherren bei den Organisatoren der Vesperkirche, den vielen ehrenamtlichen Helfern, allen Spendern und den Besuchern bedanken. Sie alle bilden ein Sinnbild, wofür die Vesperkirche steht: Offenheit, Vielfalt und die unantastbare Würde des Menschen.“
Zu Beginn der Vesperkirche schien das Spendenaufkommen nicht richtig ansteigen zu wollen. Dass die Finanzierung einer Vesperkirche kein Selbstläufer ist, zeigte sich schnell. Das Spendenziel von 132.000 Euro galt es zu erreichen und stand kurzzeitig in Frage. Der Gang an die Öffentlichkeit brachte die Wende und sorgte für einen Spendenanstieg. „Mit über 142.336 Euro an eingegangenen Spenden haben wir unser gesetztes Ziel am Ende übertroffen. Zu Beginn der Vesperkirche konnten wir das noch nicht so erwarten“, sagt Harald Dubyk. „In den kommenden Wochen rechnen wir spitz ab, dann werden wir sehen, was am Ende übrigbleibt und in die Rücklage geht, um zukünftige Vesperkirche finanziell abzusichern, wenn es mal nicht so gut laufen sollte.“
Wer die Vesperkirche Ravensburg finanziell unterstützen möchte, kann dies unter folgender Bankverbindung tun:
Evangelische Bank eG | Konto 555 444 | BLZ 520 604 10 | BIC/SWIFT genodeflek1 | IBAN DE26 5206 0410 0000 5554 44 | Stichwort Vesperkirche Ravensburg.
